O selig, o selig, ein Kind noch zu sein … Albert Lortzing
Im Regelfall wachsen wir in einer Familie mit einem oder mehreren Kindern auf. Diese ersten Erfahrungen prägen uns für unser gesamtes weiteres Leben. Sind Sie das erste oder einzige Kind in der Familie? Sind Sie das letztgeborene oder sozusagen „in der Mitte“?
Jede Position hat ihre Bedeutung und ihre jeweilige Besonderheit. Wenn Sie ein Erstgeborenes sind, dann verbinden sich damit oft spezielle Erwartungen der Eltern an Sie; Sie mussten sich auch vielleicht besonders stark für Ihre jüngeren Geschwister einsetzen oder, oder, oder …
Als jüngstes Geschwister hatten Sie es zwar vielleicht leichter, doch dafür wurden Sie möglicherweise nicht ganz für voll genommen? In einer mittleren Position fällt es manchen Menschen schwer zu wissen, wo sie stehen. Manche, die in dieser Position aufwuchsen, fühlen sich besonders wenig gesehen oder glauben, besonders viel leisten zu müssen, um beachtet zu werden. Ein Einzelkind hat andere Erfahrungen gemacht als eines mit einem oder mehreren Geschwistern.
Jeder Mensch jedoch hat seine Erfahrungen mit Eltern – seien es beide leiblichen Eltern, Eltern, die aufgrund von Scheidungen, Tod oder anderen Umständen wechselten – oder gar fehlende Eltern. Im Fall, dass jemand als Halb- oder Vollwaise aufwuchs, mussten andere Erwachsene (bzw. in extremen Fällen nicht volljährige Geschwister) deren Position ausfüllen und Elternstelle vertreten.
Und je nachdem, wie diese Eltern oder deren Vertreter sich Ihnen gegenüber verhielten, haben Sie Ihre ersten Lebens- und Welterfahrungen gemacht.
Die Strategien, die wir in unserer Kindheit entwickelten, um uns in unserer damaligen Welt zu orientieren, behalten wir meist relativ unverändert bei, ohne dies bewusst zu registrieren.
Leider stellt sich öfters heraus, dass sie uns in unserem erwachsenen Dasein mehr behindern als uns gut tun. Diese Erfahrung – sich nämlich in manchen Bereichen als gehemmt oder gehindert zu erleben – führt dann dazu, dass Menschen sich psychotherapeutische Unterstützung suchen. Die Therapie kann Ihnen dann als Erwachsenem dazu dienen, diese alten Strategien zu erkennen, gegebenenfalls zu verändern und Ihrer heutigen Situation so anzupassen, dass Sie sich Ihr Leben neu und befriedigender gestalten können.